So entsteht eine Schallplatte

Die Überspielung

Unter Einsatz einer Schallplatten-Schneideapparatur wird eine Folie mit dem Audioprogramm bespielt. Daher wird dieser qualitätsentscheidende Produktionsschritt ganz unprätentiös “Überspielung” genannt. Bei der Überspielung also graviert ein beheizter Schneidestichel die Klanginformation auf die Oberfläche einer mit Lack beschichteten Folie. Diese Gravur geschieht in Form einer analog zu den elektrischen Audiosignalen modulierten, spiralförmigen Endlosrille. Die fertig geschnittene Folie hat bereits viel Ähnlichkeit mit einer fertigen Schallplatte. Und tatsächlich, man könnte sie sogar mit einem Plattenspieler abspielen. Nach einigen Durchläufen allerdings wäre die Folie aufgrund Ihrer weichen Struktur zerstört. Aus diesem Grunde folgen nun aufeinander drei galvanischen Prozesse. Während dieser werden mit jedem Durchgang härter und widerstandsfähiger werdende metallische Abbilder der fragilen Lackfolie erzeugt.

Die Galvanik und Erstellung Presswerkzeuge

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Bearbeitung der Matrizen

Die bespielte Lackfolie wird zunächst mit Silber beschichtet und dadurch elektrisch leitend gemacht. Von der versilberten Lackfolie wird nun auf galvanischem Wege ein negatives Abbild aus Kupfer oder Nickel erstellt. Dieses Negativ wird als “Vater” bezeichnet. Von dem Vater wird in einem erneuten galvanischen Prozess ein Positiv erstellt, die so genannte “Mutter”. Diese Mutter könnte man bereits auf einem Plattenspieler abspielen, und zur Kontrolle wird dies gelegentlich sogar getan. Ein letzter Abzug – nun wieder ein Negativ – heißt “Sohn”. Dieser Sohn wird schließlich zur weiteren Steigerung seiner mechanischen Haltbarkeit verchromt. Et Voila! Fertig ist das finale Presswerkzeug zur Replikation von erneuten Positiven. Diese Positive nennt man: Schallplatten!

Hiermit wäre der klassische Weg von der Überspielung bis zur Herstellung der Presswerkzeuge beschrieben. Es existiert noch ein zweites, etwas moderneres Verfahren, welches von MASTER & SERVANT auch routinemäßig bevorzugt wird.

Das DMM / Direct To Metal Mastering

Für das Direct To Metal Mastering ist die Schneideapparatur diesmal mit einem unverwüstlichen Stichel aus hartem Diamant ausgestattet. Das muss so sein, denn hier wird nicht auf weiche Lackfolie, sondern direkt auf eine harte verkupferte Edelstahlplatte geschnitten. Direct To Metal also. Bei der direkten Überspielung auf Kupfer kann unter Umgehung von “Mutter” und “Vater” direkt der “Sohn” (also das fertige Presswerkzeug) gebildet werden. Dies ist der entscheidende Vorteil des Verfahrens über den traditionellen Lackschnitt. Es entfallen zwei Qualität mindernde, mechanische Kopierprozesse.

Gepresste Schallplatten mir DMM-Vorgeschichte zeichnen sich aus durch geringere Störgeräusche, geringere Verzerrungen sowie kristallklare Höhen. Die Nachteile des DMM-Prozesses sollen nicht verschwiegen bleiben: DMM-Platten sind aufgrund ihrer etwas geringeren Rillentiefe einen wenig leiser in der Wiedergabe und weisen eine geringfügig höhere mechanische Abnutzung auf. Diese Nachteile sollen uns aber nicht allzusehr beunruhigen, denn die Vorteile des Verfahrens wiegen schwer.

Die Pressung

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Der bestaussehende Datenträger aller Zeiten:
30 cm-Schallplatte

Als Rohmaterial für die Schallplatten Pressung dient der Kunststoff PVC. Der vollständige chemische Name des Materials – Polyvinylchlorid – ist der Erwähnung wert, denn er inspirierte zu dem uns gebräuchlichen Kurznamen Vinyl. Für den Pressvorgang wird eine Menge von 140 bis 180g PVC mit zugesetzten Farbpigmenten benötigt. Das Zumischen von Farbpigmenten ist üblich, da chemisch reines PVC eine sehr unattraktive, milchig-teiltransparente Farbe aufweist. Die typische Farbe von schwarzen Schallplatten entsteht durch Zugabe von Ruß. Für andere Farben kommen künstliche Farbstoffe zum Einsatz.

Die Materialmischung wird nun zusammen mit den beiden Etiketten zwischen die Presswerkzeuge (jeweils eines für Seite A und Seite B) gebracht. Unter einem enormen Druck von 80 kg per Quadratzentimeter und bei einer Temperatur von 150 Grad Celsius werden die beiden Matrizen für einige Sekunden gegeneinander gepresst. Daraufhin wird die Presse blitzschnell mit kaltem Wasser durchspült um die Matrizen wieder ein wenig herunter zu kühlen. Auf diese Weise kann die Schallplatte schnell und leicht aus der Pressform befreit werden. Ein Messer schneidet noch die Ränder sauber, und fertig ist die Scheibe! Die gepressten Exemplare werden auf einer Ablage-Spindel gesammelt und warten nun auf ihre Abholung durch das freundliche Verpackungspersonal.

Der Pressvorgang einer einzigen Schallplatte dauert gut 30 Sekunden. Man kann sich leicht ausrechen, wie lange eine einzelne Maschine mit der ganzen Auflage beschäftigt ist. Der Herstellungsprozess ist verglichen mit der modernen CD-Fertigung nur wenig automatisiert. Das ist leicht nachzuvollziehen, denn die jüngsten Pressmaschinen wurden vor 29 Jahren gebaut.

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